Der 24-Stunden-Körper

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Susanne N.
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Re: Der 24-Stunden-Körper

Beitrag von Susanne N. » Mo 18. Mai 2009, 09:42

Liebe Frau Cantieni,
Benita Cantieni hat geschrieben:
Unabdingbar cantienisch, ja. Vielleicht drehen Sie Ihre Körperreise einfach mal um, nicht Schicht um Schicht von aussen nach innen abtragen und erobern, sondern gleich zum Kern und von innen nach aussen arbeiten.
Ok, es ist also cantienisch, gut. Zur Körperreise: Ich versuche mich schon in die Mitte zu denken, fühlen, spüren, aber irgendwie machte der Körper das wohl noch nicht im Maß meiner Vorstellungskraft mit. Oder ist es einfach so, dass man nur bis dahin denken, fühlen, spüren kann, bis wohin man eben muskulär durchlässig ist oder bis wohin man es schafft, die äußeren Muskeln zu entfilzen? Sie schrieben selbst dieser Tage irgendwo, dass Sie immer nur das umsetzen konnten, wozu Ihr noch skoliosegeplagter Körper momentan in der Lage war. Ich staune nur immer, dass ich plötzlich dann nach Wochen, Monaten usw. doch das richtig spüre, was ich meine, mir schon seit Wochen, Monaten usw. vorgestellt zu haben. :-)
Also das ist schon seeeehr spannend, und eigentlich ist es mir ja wurscht, wie rum ich mich jetzt durch meine Körperschichten "scanne", solange es ein Prozess ist, ich immer bewusster hin- und herwandern kann und dabei immer Neues finde. Heute morgen zum Beispiel beim Frühstück stellte ich fest, dass mein "Halsknacks" (immer wenn ich den Kopf von links nach rechts drehte, knackte es, mal mehr, mal weniger, in der Gegenrichtung knacksfrei) weg ist!! Jetzt nach Stunden immer noch weg - das hatte ich noch nie, ich kann das gar nicht glauben! Und es ist sooooo schön! Nun rede ich meinem Körper schon den ganzen Morgen zu: "Behalt das, nicht mehr hergeben ..." Mal gespannt, ob es funktioniert.
Auch eine schöne Sache für mich: Wenn der Wecker "zu früh" klingelt und man wieder einzuschlafen droht: Auf den Rücken legen, einseitig den LA aktivieren, darauf muss ich mich (noch) konzentrieren, dabei kann ich nicht wieder einschlafen und habe gleichzeitig den Körper dran erinnert, was er beim Aufstehen zu tun hat, nämlich sich aufzurichten.

Wünsche einen guten Wochenstart!
Susanne

Benita Cantieni
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Re: Der 24-Stunden-Körper

Beitrag von Benita Cantieni » Fr 15. Mai 2009, 09:32

Liebe Susanne

Ich kann gerne mal ein Bild vom CANTIENICA®-Bondage reinstellen, muss nur zuerst die Models fragen, ob sie einverstanden sind. Ist eine sehr effiziente Methode, das angepeilte Körpergefühl einzupflanzen.
<em>Benita Cantieni</em> hat geschrieben:Mein langsames Vorwärtsschreiten hat, so hoffe ich, einen Vorteil: Ich kenne den zurückgelegten Weg genau und kriege vielleicht eher von meinem Körper zurückgemeldet, wenn ich auf so einen alten Trampelpfad gerate? Können Sie dazu was sagen, aus der eigenen Erfahrung evtl.? Ich finde mein "Schichtenempfinden" der Muskulatur ziemlich aufregend, vielleicht geht es noch wem so? Oder ist es gar nicht so phänomenal, wie ich denke, sondern unabdingbar, cantienisch gesprochen ganz normal also?
Unabdingbar cantienisch, ja. Vielleicht drehen Sie Ihre Körperreise einfach mal um, nicht Schicht um Schicht von aussen nach innen abtragen und erobern, sondern gleich zum Kern und von innen nach aussen arbeiten. Wenn Sie dann zu den äusseren Schichten kommen, halten die Verbindungen auf immer, und Sie können sich und den Atem ins Universum ausdehnen, also die Zwiebel vergrössern, wachsen lassen. (Das beschäftigt und bewegt mich zur Zeit, diese Ausdehnung ins Nullpunktfeld. Noch sind's Fragmente, also nicht "spruchreif".)

Herzlich, BC

Susanne N.
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Re: Der 24-Stunden-Körper

Beitrag von Susanne N. » Fr 15. Mai 2009, 09:15

Guten Morgen Frau Cantieni!
Benita Cantieni hat geschrieben:
Und dazwischen trainiere ich. Im Alltag. Bewusstsein, Bewusstheit, Achtsamkeit, Selbstwahrnehmung. Sitze aufrecht auf dem Bürostuhl, Beine und Arme ausgerichtet, alle Bewegungen dreidimensional. Versuche! immer aus dem Levator Ani vom Stuhl aufzustehen, versuche!! unentwegt entspannt-entspannt aufgespannt zu sein, versuche!!! immer in der Fliehkraft zu gehen, vom Boden weg, vom Boden weg. (Und höre mich zwischendurch plötzlich so hart auf der Ferse landen, dass es eine Art hat). Das meine ich mit 24-Stunden-Training. Inzwischen hat sich das Bewusstsein längst auf das Nachtleben ausgedehnt, mein Körper weckt mich, wenn ihm die Position nicht passt, in die ich ihn verdreht habe.
Gute Beschreibung des 24-Stunden-Prinzips! Das ist in der Tat etwas, was ich an Cantienica sofort kapiert habe (meine jahrelangen Umwege über Voita, Brügger und Yoga haben das bestimmt erleichtert), wenn auch vieles faktisch Umzusetzende lange nicht. Z.B. "Außenrotation der Oberschenkelmuskeln" ... Häää??? Welche Oberschenkel? Welche Muskeln??
Frau Altpeter-Weiß letztes Frühjahr hat mir x-beinigem Wesen dann beim Einzeltraining extra eine knallenge Sporthose geliehen - ich hatte nur so ein Jogging-Schlabberding dabei, denn als unstolze Reiterhosenbesitzerin verstecke ich den Popo lieber in maximal großen Hosensäcken ;-)). Dann zog sie hinten an der Hose, auf dass ich verstehen möge, welche Muskeln wohin rotieren sollen. Hmmm, nun denn ... Dann folgte Teraband-Bondage, supersexy kurzer Gummi-Minirock und ne nette Korsage, auf dass das Brustbein-Hohlkreuz verschwinden möge. Sah ultrakomisch aus, wir lachten beide herzlich, nur schade, dass wir keine Kamera da hatten, um das aufzunehmen! Ich stolzierte in diesem Outfit cantienisch (oder versuchte es zumindest) durchs Studio, Frau AP-Weiß hinter mir hielt die Teraband-Zügel und zog den LA nach hinten oben. Naja, oder so ähnlich ...
So, und jetzt kommts: Die Stunde war im April 2008. Seit erst ungefähr zwei oder drei Tagen habe ich den Eindruck, dass ich den LA bewusst und gezielter ohne das Zucken und Zappeln anderer Muckis hochziehen kann. (Ja, und ein sanftes, sich "echt" anfühlendes, weil tief innen gespürtes Etwas von Außenrotation habe ich jetzt auch, wenn ich mich gaaaanz genau darauf konzentriere. Ei wer hätte das gedacht! :-) )
Dabei schwöre ich, dass Ihre 24-Stunden-Beschreibung ziemlich genau meinen Geisteszustand seit der Privatlektion trifft. Für mich fühlte es sich so an, als würde ich Schicht um Schicht in meinem Körper nach innen wandern. Immer wieder erreiche ich zwischendrin neue Plateaus und empfinde, es sind Muskelschichten, die weiter innen liegen als die, die ich bisher ansprechen konnte. Hach, wie bei Günter Grass, der seine Zwiebel häutet!
Mein langsames Vorwärtsschreiten hat, so hoffe ich, einen Vorteil: Ich kenne den zurückgelegten Weg genau und kriege vielleicht eher von meinem Körper zurückgemeldet, wenn ich auf so einen alten Trampelpfad gerate? Können Sie dazu was sagen, aus der eigenen Erfahrung evtl.? Ich finde mein "Schichtenempfinden" der Muskulatur ziemlich aufregend, vielleicht geht es noch wem so? Oder ist es gar nicht so phänomenal, wie ich denke, sondern unabdingbar, cantienisch gesprochen ganz normal also?
Gespannt auf Antworten grüße ich herzlich
Susanne

Benita Cantieni
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Der 24-Stunden-Körper

Beitrag von Benita Cantieni » Do 14. Mai 2009, 20:23

Es gibt Tage, da hagelt es im Studio scheinbar grundlos Absagen. Meine letzte Lektion um 1830 h heute Abend ereilte dieses Schicksal. Plötzlich war die ausgebuchte Lektion mit Warteliste auf 5 Teilnehmerinnen geschrumpft. Zwei kamen auch noch zu spät. Es soll ja Menschen geben, die auf solches demotiviert reagieren. In mir regt sich sofort "Jetzt erst recht". Ich kreierte aus dem Stegreif eine "Yin-Yang-Lektion": Eine Sequenz mit dem stärksten Theraband, eine Sequenz mit Ballon. Ungefähr alle 10 MInuten abwechselnd. Sanftes Atmen, Schwingen, Pulsieren. Beinharte Spannung mit dem Theraband. Zarte Rotationen mit Diagonalatmung. Turbodehnung mit Band für den Flachbauch. Es dauerte nicht lange, stöhnten die Frauen, "die Yin-Übungen sind ja viel anstrengender als die Yang-Sequenzen".
"So ist das doch mit unserer Weiblichkeit, sieht leicht aus und ist ganz schön anstrengend."
Gelächter.
Ich ziehe hier an einem Kronenpunkt, entspanne dort eine Schulter, bringe da zwei Füsse in ein sauberes V, dehne Bauchmuskeln, entspanne Rückenpanzer, ziehe Becken weg von den Oberschenkeln, verlängere Beine, richte Brustkörbe aus, bringe Köpfe zum Schweben und denke manchmal: Das sieht so einfach und leicht aus und verlangt von den Teilnehmer/innen alles. Als ich mit dieser Körperarbeit anfing, hörte ich oft abschätzige Kommentare, "du mit deinem Turnen für Seniorinnen", so in diese Richtung. Heute sind diese Vorurteile verstummt. "Soll ja gut sein, dein Haltungsturnen, aber anstrengend." Stimmt. Anstrengend und lohnend. Wer dranbleibt, stoppt das Rad der Zeit.

Am Schluss der Lektion strahlten die Augen, es glühten die Gesichter, "wie ein Bad in Champagner", war ein Kommentar in der Garderobe.
"Du bist so fit", sagte Susanne, "wie oft trainierst du eigentlich? Jeden Tag?"
"Jeden Tag 24 Stunden."
"Nein, im Ernst. Wie wird man so beweglich und kraftvoll wie du?"
"Im Ernst: 24 Stunden am Tag."
Gezieltes Training gibt's am Mittwochabend in meiner Motionklasse, daneben mache ich einmal pro Woche 20 Minuten Kraft mit Theraband und Hanteln, einmal 20 Minuten Beweglichkeit, mit Pyramide und allen Arten von Spagat. Für Herz und Kreislauf laufen oder radfahren, im Moment leider zu wenig oft. Wenn die Zeit für gar nichts reicht, steige ich auf die Vibrationsplatte und leiste mir ein Intensivtraining mit Flexibars auf Platte. Köstlich.

Und dazwischen trainiere ich. Im Alltag. Bewusstsein, Bewusstheit, Achtsamkeit, Selbstwahrnehmung. Sitze aufrecht auf dem Bürostuhl, Beine und Arme ausgerichtet, alle Bewegungen dreidimensional. Versuche! immer aus dem Levator Ani vom Stuhl aufzustehen, versuche!! unentwegt entspannt-entspannt aufgespannt zu sein, versuche!!! immer in der Fliehkraft zu gehen, vom Boden weg, vom Boden weg. (Und höre mich zwischendurch plötzlich so hart auf der Ferse landen, dass es eine Art hat). Das meine ich mit 24-Stunden-Training. Inzwischen hat sich das Bewusstsein längst auf das Nachtleben ausgedehnt, mein Körper weckt mich, wenn ihm die Position nicht passt, in die ich ihn verdreht habe.

Wer fünfmal pro Woche trainiert und sich dann gleich wieder in Stöckelschuhe zwängt, die Beine überschlägt, die Schultern hochzieht, den Kopf vorreckt, das Becken verschiebt, die Knie durchdrückt, krumm sitzt und ohne Aufspannung geht, hat weniger Erfolg als jemand, der nur ein- oder zwei Stunden gezieltes CANTIENICA®-Training macht und das Gelernte, Trainierte bewusst und achtsam in den Alltag einbaut. Muskeln sind Arbeitstiere. Je mehr wir sie fordern, umso mehr tun sie für uns.

Ach, hätte ich das bloss früher entdeckt, 20 Jahre früher ...

Ich kann den Stossseufzer auch umdrehen.

Ach, ist das schön, dass ein Spätzünder wie mein Körper so kraftvoll und so beweglich sein kann. Die Natur ist wunderbar.

Darf ich aufzählen, was ich diesem bisschen Disziplin noch verdanke? Ich schlafe wie ein Murmeltier. Nie mehr kalte Hände oder kalte Füsse. Nie mehr Rückenschmerzen. Glückliche Füsse und lachende Schultern. Null Anzeichen von Beschwerden im Klimakterium. Null. Weniger Cellulite als mit 30, kaum Falten. Es geht mir so gut, dass ich mich fast schäme, wenn es mir mal nicht so gut geht ... Doch, das kommt vor. Wann und warum erzähle ich Ihnen ein andermal. Jetzt lese ich den Newsletter, den meine Schwester Sandra Cantieni entworfen hat. Sie arbeitet seit April mit mir, und das ist wunderschön, jemand, der ähnlich tickt, alles immer sofort versteht und trotzdem so anders ist, in den Talenten, in der Art, die Dinge anzupacken. Welch ein Glück.

In diesem Sinne: Lassen Sie es sich gut gehen. Schönen Abend, süsse Träume, Ihre BC

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